» Home arrow THW Anfordern arrow Einsätze arrow 2000 arrow Alarmübung: Gasexplosion in Ibbenbürener Innenstadt
Home
Aktuelles
THW Anfordern
Einsätze
Jugendgruppe
Grundausbildung
Technischer Zug
Ausrüstung
Aufgaben
Links
Kontakt
Impressum
Sitemap


Alarmübung: Gasexplosion in Ibbenbürener Innenstadt
Geschrieben von Sven Bitter   
gasexplosion1.jpgEs war der 27. Mai 2000, ein Samstag, an dem ich eine Jugendgruppe des hiesigen Segelclubs zu einer Führerscheinprüfung begleitete. So wie bei jeder wichtigen Prüfung kehrte auch hier nach kurzer Zeit absolute Stille ein, die dann so gegen 9.45 Uhr durch das Piepen meines Funkalarmempfängers total gestört wurde. Diese verrückte Uhrzeit ließ mich keine Sekunde daran zweifeln, dass es sich hier um einen Einsatz handelte, und ich stellte, um die Prüfung nicht weiter zu stören, meinen Melder auf ganz leise.

Nach einer kurzen Absprache mit weiteren anwesenden Prüfern und Betreuern fuhr ich zügig unsere Unterkunft an. Als Erster, mit einer Zeit von vier Minuten von der Alarmierung bis zum Eintreffen an der Unterkunft, erfuhr ich vom Verwaltungshelfer, der komischerweise schon im Büro saß, dass es sich hier um eine Übung handelt. Dies hatte ich nicht mehr mitbekommen, da ich, wie oben schon erwähnt, meinen Melder leise gestellt hatte.
Dennoch beeilte ich mich beim Umziehen und dem Vorbereiten der Fahrzeuge. Nach und nach trafen weitere Helfer in der Unterkunft ein.
Als wir den GKW 1 mit einer Stärke von 0/2/5 besetzt hatten, meldeten wir uns bei der Einsatzleitstelle an und gaben unsere Abfahrt ohne Sonderrechte zur Schadenstelle bekannt. Wir wussten bereits, dass es sich um ein Haus nach einer Gasexplosion handelte. Genaue Angaben über die Anzahl der Personen, die sich eventuell im Gebäude befanden, gab es nicht. Noch auf der Anfahrt erkundigte sich unser Gruppenführer bei der Leitstelle, ob die Gasleitungen bereits abgeschiebert sind. Dies wurde kurz vorm Eintreffen positiv beantwortet und ermöglichte uns im äußeren Bereich ohne Pressluftatmer zu arbeiten.gasexplosion2.jpg

Beim Eintreffen bot sich uns ein Bild des Grauens. Ein zum größten Teil zerstörtes Haus stand, soweit man das noch stehen nennen konnte, vor uns. Im hinteren Teil befand sich ein Baum, der zusätzlich auf den Trümmerkegel zu stürzen drohte. Nach einer kurzen Befragung vieler umherstehender Leute und einer kurzen Begutachtung der Schadensstelle begannen wir nach Personen zu suchen. Wir begannen im äußern Umkreis nach Personen zu suchen. Mit rufen und auf Zeichen (Klopfzeichen) achtend, wurde bereits eine Person unter einem Kettenbagger gefunden.
Während diese Person betreut wurde, fanden später eintreffende Einsatzkräfte in Hohlräumen und im Garten des Hauses weitere Personen. Nach der Bergung dieser Personen wurden diese dem DRK übergeben, die auf einem nahegelegenen Parkplatz eine Verletztenablage errichtet hatte.
(Die verletzten Personen wurden von Junghelfern aus unserem Ortsverband dargestellt, die ich hier lobenswerterweise einmal erwähnen muss, da sie sich super verhalten haben!) Die Bergung der Personen im äußeren Kreis wurde mit Hilfe von Krankentragen ohne nennenswerte Probleme absolviert.
gasexplosion8.jpg Hingegen war die Bergung von weiteren Personen aus dem Kellergeschoss des Hauses problematischer, da nachrutschender Schutt und herabhängende Betonstücke eine Gefahr für die Helfer darstellte. Um die Helfer nicht unnötig dieser Gefahr auszusetzen, wurde kurzerhand ein Kellerfenster demontiert und weiteres Gittermaterial beseitigt. Diese Öffnung wurde nun zum Abtransport der Opfer in Schleifkörben genutzt. Als auch hier alle Räume nach Personen abgesucht waren und die ansprechbaren Personen uns mit Bestimmtheit sagen konnten, dass keine weiteren Personen sich im Keller befanden, wurde dieser Abschnitt verlassen. Beim Rückrüsten unseres Materials wurden leise Hilferufe vom ersten Obergeschoss des Hauses wahrgenommen, worauf wir mit einer Stärke von 0/1/4 über eine Leiter, die an einen Balkon gelehnt wurde, uns Zutritt in die oberen Räume verschafften. Einen Helfer stellte ich ab, um die dort aufgefundene Person zu betreuen. Mit Hilfe der übrigen Helfer bereitete ich die Bergung vor. Die Balkonbrüstung aus Holz wurde beseitigt, um ein einfacheres Ablassen der Person mittels schiefer Ebene zu ermöglichen.
gasexplosion7.jpgDie übrigen Helfer versuchten, um nicht unnötig viel Scherben zu produzieren, die Balkontür auszuhängen.
Plötzlich stieg Qualm aus den unteren Stockwerken auf und wir wurden aufgefordert, die Einsatzstelle sofort zu Räumen. Da bereits Helfer sich vorbereiteten, um den Brand zu bekämpfen, informierte ich meinen Gruppenführer, dass wir höchsten noch fünf Minuten bräuchten, um diese Person abzuseilen. Unter diesem erheblichen Druck, wurde natürlich keine Rücksicht mehr auf die Vermeidung von weiteren Schäden genommen. Die Balkontür wurde, mit einer Decke abgehangen, eingetreten und die verletzte Person wurde so schnell wie möglich und ohne Rücksicht auf die Schmerzensschreie auf den Schleifkorb gebunden und ohne Hilfe der Leiter lotrecht abgelassen. Innerhalb von Sekunden verließen nun alle Helfer das brennende Haus. Als Letzter, mit der Gewissheit, dass sich keinen weiteren Helfer mehr im oberen Stockwerk befanden, verliess ich die Einsatzstelle.
Erschöpft meldete ich mich bei meinem Gruppenführer zurück, der wiederum Meldung an die Einsatzleitung gab. Über den umgekehrten Weg erfuhren wir, dass keine weiteren Personen vermisst wurden. Nach dieser positiven Meldung verlasteten wir unser Material und meldeten uns einsatzbereit bei der Einsatzleitstelle ab.

 

Eine derartige Übung hat uns ermöglicht, mit anderen Organisationen zusammen zu arbeiten und unser Wissen mal unter Beweis zu stellen. Ich für meine Person kann nur Positives aus dieser Übung mitnehmen. Vieles werde ich demnächst anders machen, um als Truppführer meine Leute nicht unnötig zu gefährden.Wäre dies ein realer Einsatz gewesen, hätten wir trotz kleiner Fehler alle Personen lebend aus dem Schuttkegel gezogen.

Einsatzbericht vom Truppführer Thorsten Ahler (mittlerweile Gruppenführer 2. Bergungsgruppe)
 
< Zurück

Bilder
random13.jpg
Kalender
Sorry, no events to display